Skopje, Mazedonien

   

Vielfalt und Gegensatz


Die Hauptstadt Mazedoniens ist keine Stadt zum Stillhalten. Unablässig braust der Verkehr auf den breiten Magistralen. Unabhängig vom Wochentag sind die Bars gut gefüllt und locken mit lauter Musik. Da ist der Moloch Skopje mit grauen Betonbauten, unwegsamen Straßen und oft zugeparkten Bürgersteigen. Da ist die Perle Skopje mit ihrer pittoresken osmanischen Altstadt, bunten Märkten und den am Fluss Vardar flanierenden Bewohnern.

Skopje ist eine Stadt der Vielfalt, in der osmanische Einflüsse ebenso unübersehbar sind wie jene des untergegangenen Jugoslawiens. Vielfältig ist auch die Bevölkerung: Die Stadt ist das Zuhause von Mazedoniern, Albanern, Roma, Türken, Serben und vielen anderen. Über das urbane Chaos wacht der Hausberg Vodno, mit einem gigantischen Kreuz gekrönt, das nachts über der Stadt zu schweben scheint und das unter den verschiedenen ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen nicht auf ungeteilte Zustimmung trifft. Von diesem Berg aus lässt sich ein guter Überblick über die Stadt gewinnen. Die Wohngebiete schmiegen sich an die pulsierenden Straßen, dazwischen bleibt Platz für urbane Brachen. Die Stadtanlage wirkt mitunter recht unüberschaubar. Ein verheerendes Erdbeben zerstörte im Juli 1963 große Teile Skopjes. Der japanische Architekt Kenzo Tange entwickelte einen Masterplan zum Wiederaufbau mit dem Ziel, eine Stadt der Zukunft zu errichten. Bereits in den 1970er Jahren wurden seine Vorgaben bei neuen Bauvorhaben nicht mehr beachtet. Neuerdings kommt man nicht umhin, die Statuen und Bauten des ambitionierten Vorhabens „Skopje 2014“ zu bemerken. Diese neu geschaffenen Monumente im historisierenden Stil stehen im Kontrast zu der weiterhin verbesserungsbedürftigen Infrastruktur. Sie sind nicht unumstritten, werden jedoch von einem Großteil der mazedonischen Bevölkerung unterstützt.

Trotz ihrer meist geringen Einkommen besuchen die Bewohner Skopjes gerne Cafés und Restaurants. Das gemeinsame Essen im Restaurant wird mit viel Hingabe zelebriert. Nicht selten erstreckt sich der Restaurantbesuch über mehrere Stunden, wobei ständig weitere Köstlichkeiten bestellt werden. Über die Überreste der opulenten Mahlzeiten freuen sich die halbwilden Hunde und Katzen, Skopjes heimliche Herrscher, die tags wie nachts durch die Gassen und Straßen stromern. Im Frühjahr ziehen durch die Straßen auch Wolken des betörenden Dufts von Lindenblüten. Im Herbst riecht es in allen Winkeln nach gegrillter Paprika, wenn in den Hinterhöfen die regionale Delikatesse Ajvar zubereitet wird. In Skopje ist der Frühling kurz. Nach einem kalten, aber kurzen Winter klettern die Temperaturen rasch auf über 30 Grad Celsius bei meist sonnigem Wetter. In unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt befinden sich hohe Berge, die im Winter zu Skivergnügen einladen und in denen in der Sommerhitze eine frische Brise weht.

Diese Vielfalt ist es, die die Bewohner an ihrer Stadt schätzen. Auch wenn Skopje auf den ersten Blick vielleicht nicht so einladend wirkt, wie andere europäische Hauptstädte, am Ende wird man die Stadt gerade wegen ihrer Gegensätze lieben.

Stationen in Skopje (6)

  • 1 Kino Kultura mehr
  • 2 Alter Bahnhof mehr
  • 3 Stadtteil-Holzofenbäckerei Čair mehr
  • 4 Neuer Bahnhof mehr
  • 5 Galerija 7 mehr
  • 6 Der Vodno mehr
   

Künstler

Irena Jordanova

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Nihad Nino Pušija

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Jasna Dimitrovska

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In der Breite erstreckt sich Skopje zwischen Gebirgen, in der Länge am Vardar entlang, in der Höhe hoch zu den zahlreichen Panoramablicken und in der Tiefe hin zu seiner Gastfreundlichkeit.
Žarko Kujundziski